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Forschungsfrage finden und eingrenzen

Eine präzise und gut formulierte Forschungsfrage ist der Herzschlag Deiner wissenschaftlichen Arbeit. Wenn Du sie einmal klar hast, wird alles andere einfacher: die Literaturrecherche, die Methode, die Analyse und sogar das Schreiben. In diesem Beitrag zeige ich Dir, wie Du Schritt für Schritt eine starke Forschungsfrage finden kannst – ohne Dich zu verlieren.

1. DIE RICHTIGE FORSCHUNGSFRAGE FINDEN: EINSTIEG UND ERSTE SCHRITTE

forschungsfrage finden

Warum eine gute research question so entscheidend ist

Die Forschungsfrage gibt Deiner Arbeit Richtung und Struktur. Ohne sie ist Deine Arbeit wie ein Kompass ohne Nadel – es geht irgendwie weiter, aber keiner weiß so recht wohin.

„Was ich immer mache, wenn ich eine Forschungsfrage sehe – auch bei einer fertigen Arbeit – ist: Ich versuche zu verstehen, was die Hauptkonzepte sind.“

Eine gute research question sorgt für Klarheit: Du weißt, wonach Du suchst, was dazugehört – und was nicht. Das gibt Dir Sicherheit und reduziert Überforderung. Also: Gib dein bestes beim Forschungsfrage finden und du hast weit weniger Sorgen im Rest des Prozesses!

Häufige Fehler: zu breit oder zu eng formulierte Fragen

Ein klassischer Fehler ist eine Frage, die alles und nichts untersucht. Zum Beispiel: „Wie beeinflusst Design die Wahrnehmung von Marken?“ Klingt spannend, ist aber riesig. Genau so problematisch ist es, wenn die Frage zu eng ist: „Wie wirkt die Farbsättigung von Blau auf das Markenimage bei Linkshändern unter 25?“ Das ist vielleicht methodisch nicht machbar.

Von der Idee zur ersten Frageformulierung

Zentrale Konzepte erkennen

Nimm Dir Deine erste Idee vor und versuche, die wichtigsten Begriffe zu identifizieren. Beispiel: „Die Wahrnehmung von Marken durch visuelles Design“. Hier stecken zwei Hauptkonzepte drin: „visuelles Design“ und „Markenwahrnehmung“.

Erste Übung: Hauptbegriffe notieren

Mach Dir eine Liste: Welche Begriffe kommen in Deiner Forschungsfrage oder Idee vor? Markiere die wichtigsten. Das hilft Dir später beim Eingrenzen.

Pro-Tipp: Abgleich mit Inhaltsverzeichnis

Schau in Dein (geplantes oder vorhandenes) Inhaltsverzeichnis: Tauchen die Konzepte dort wieder auf? Wenn nicht, stimmt etwas nicht.

„Ich mache gern die Übung und schaue ins Inhaltsverzeichnis. Wenn ich kein Kapitel zu visuellem Design und keines zur Markenwahrnehmung finde, dann ist etwas falsch.“

Dominik E. Froehlich

Erste Orientierung: Ist die Frage zu groß oder zu klein?

Was bedeutet „zu breit“ und „zu eng“ konkret?

Zu breit: Du willst alle Aspekte eines riesigen Themas untersuchen (z. B. „Einfluss von Social Media auf das Konsumentenverhalten“).

Zu eng: Du untersuchst etwas so Spezifisches, dass Du kaum Daten findest (z. B. „Einfluss der Farbwahl im Logo eines veganen Schokoladen-Startups auf das Kaufverhalten von Personen zwischen 19 und 21 in Salzburg“).

Praxisbeispiele:

  • Breit: „Wie beeinflusst Design die Markenwahrnehmung?“
  • Eng: „Wie beeinflusst die Farbgestaltung das Markenimage von nachhaltigen Reinigungsprodukten?“

2. DIE FRAGE VERFEINERN: STRATEGIEN ZUR KLARHEIT UND FOKUSSIERUNG

Generalisieren und Konkretisieren – eine einfache Denkübung

Die beste Strategie: Denk modular. Du kannst einzelne Teile Deiner Frage größer oder kleiner machen, je nachdem, was machbar und sinnvoll ist.

Übung: Satzglieder herauslösen und untersuchen

Nimm Deine Frage und trenne sie in logische Bestandteile: z. B. Einfluss (was), visuelles Design (wie), Markenwahrnehmung (was), von Studierenden (wer).

Beispiele für Generalisierung:

  • „Farbgestaltung“ → „visuelles Design“ → „Design“
  • „Nachhaltigkeitsimage“ → „Markenwahrnehmung“

Beispiele für Konkretisierung:

  • „Design“ → „visuelles Design“ → „Farbwahl im Logo“
  • „Markenwahrnehmung“ → „Wahrnehmung von Authentizität einer Marke“

Dimensionen und Perspektiven bewusst variieren

Manchmal hilft es, an der Zielgruppe oder Perspektive zu drehen, um Klarheit zu gewinnen.

Zielgruppe eingrenzen

  • Studierende
  • Autokäufer:innen
  • Generation Z
  • Berufstätige im Marketing

Region bestimmen

Wenn es Sinn ergibt: österreichweit, im deutschsprachigen Raum, nur Wien, etc.

Perspektive wählen

  • „Wie nehmen Käufer:innen das Design wahr?“
  • „Wie sehen Designer:innen die Wirkung des Designs auf Markenwahrnehmung?“
  • „Wie beeinflusst das visuelle Design die Markenwahrnehmung aus Sicht der Verkäufer:innen?“

Funktionsweise durchdenken

Wie möchtest Du messen? Interviews, Umfrage, Experiment? Auch das beeinflusst, wie groß oder klein die Frage sein sollte.

Die Forschungsfrage als flexibles Konstrukt

Warum ein Plan B immer sinnvoll ist

„Wenn ich im Forschungsprozess merke, visuelles Design ist zu eng, erzählen mir alle etwas zu Gesamtdesign, dann möchte ich lieber ausweichen.“

Halte Alternativen im Kopf: Du kannst im Laufe der Arbeit anpassen, solange Du den roten Faden behältst.

Kleine Anpassungen sparen viel Energie

  • Weniger Zielgruppen = weniger Daten notwendig
  • Konkretere Konzepte = leichter messbar
  • Klare Perspektiven = bessere Argumentation

Pro-Tipp: Forschung muss machbar sein

Plane Deine Forschungsfrage so, dass sie mit den Mitteln umsetzbar ist, die Dir wirklich zur Verfügung stehen.

3. VON DER FORSCHUNGSIDEE ZUR FINALEN RESEARCH QUESTION

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Schritt-für-Schritt-Anleitung: So formulierst Du eine klare Forschungsfrage

  1. Thema benennen: Was interessiert Dich?
  2. Konzepte identifizieren: Zwei bis drei Hauptbegriffe
  3. Zielgruppe festlegen: Wen untersuchst Du?
  4. Kontext/Perspektive klären: Wo, wie und aus wessen Sicht?
  5. Allgemein oder konkret? Überlege, was zu Dir und Deinem Projekt passt
  6. Formulierung testen: Ist die Frage eindeutig, forschbar und sinnvoll eingegrenzt?
Deine Forschungsfrage finden in 7 Schritten
In diesem Mini-Kurs leite ich dich durch Fragen durch, damit du zu einer guten Forschungsfrage für deine Abschlussarbeit oder für dein nächstes Forschrungsprojekt kommst.

Typische Stolperfallen beim Forschungsfrage finden

Zu viele Konzepte auf einmal

Fokussiere Dich! Lieber weniger, dafür klar.

Keine erkennbare Zielgruppe

Ohne Zielgruppe weißt Du nicht, wen Du fragen oder beobachten sollst.

Theorie und Methode passen nicht zur Frage

Qualitative Frage + quantitative Methode? Schwierig.

Keine operationalisierbaren Begriffe

Kannst Du messen, was Du erfassen willst? Wenn nicht: Begriffe anpassen.

„Fehlstarts“ und wie man sie rettet

Du merkst nach der Datenerhebung: Deine Frage war zu vage oder unpassend?

  • Frage konkretisieren
  • Teilaspekt herausgreifen
  • Methodik anpassen

Fazit

Eine gute Forschungsfrage muss nicht von Anfang an perfekt sein. Aber sie sollte klar, machbar und sinnvoll eingegrenzt sein. Wenn Du die hier vorgestellten Schritte durchgehst, hast Du nicht nur eine research question, sondern auch eine solide Grundlage für den gesamten Forschungsprozess.

Du bist nicht allein mit Deinen Fragen. Tausche Dich mit anderen aus, frag Deine Betreuerin oder Deinen Betreuer – und trau Dich, die Frage im Laufe des Prozesses zu verfeinern.

Viel Erfolg beim Forschungsfrage finden!